Medienmonitoring

Was fällt uns ein, wenn wir an Nachrichten und Ereignisse denken, die im feministischen Mainstream rund um selbstbestimmte Reproduktion, (Nicht)Elternschaft und Sexualität diskutiert werden?

Neben Zeitungsartikeln zu Reformen und Abschaffungsforderungen der Paragraphen 218 und 219? Neben Meldungen über die von Jens Spahn in Auftrag gegebene Studie zu psychischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen? …

Dabei nimmt reproduktive Unterdrückung insbesondere für Frauen und Queers of Color und be_hinderte Frauen und Queers noch viele weitere Formen an, die sich anhand besonders gewaltvoller Ereignissen in der Presse nachverfolgen lassen, und in weniger expliziter Form kontinuierlich Stigma generieren und Zugänge zu Gesundheitsversorgung, gesellschaftlicher Teilhabe und gewünschten Lebensentwürfen verschließen. Die Archive der feministischen Bewegung in Deutschland sind immer noch vor allem von weißen, nicht-behinderten, bürgerlichen, heterosexuellen und cisgeschlechtlichen Lebenswelten geprägt.

Einige beispielhaft ausgewählte Zeitungsartikeln aus den letzten drei Jahren zeichnen ein brutales Bild deutscher alltäglicher sexistischer, rassitischer, ableistischer und transfeindlicher Zustände:

Februar 2017, Dresden

Der AfD-Abgeordnete André Wendt stellt im sächsischen Landtag eine Anfrage, in der er danach fragt, welche finanziellen Hilfen minderjährigen unbegleiteten Geflüchteten zur Sterilisation gewährt werden könnten.

https://www.berliner-zeitung.de/politik/sachsen-afd-sorgt-mit-anfrage-zur-sterilisation-von-fluechtlingen-fuer-empoerung-25736096

September 2017, Karlsruhe

Der Bundesgerichthof entscheidet in einem Grundsatzurteil, dass ein Transmann, der schwanger gewesen ist und ein Kind geboren hat, im Geburtsregister nicht als Vater des Kindes eingetragen werden kann. Obwohl er als Mann lebt und eine Namens- und Personenstandsänderung vorgenommen hat, wird er mit seinem bei Geburt zugewiesenem Vornamen als Mutter in die Geburtskunde eingetragen.

https://taz.de/Urteil-zu-geschlechtlicher-Elterndefinition/!5450194/

März 2018, Berlin

Die AfD-Abgeordneten Nicole Höchst, Franziska Gminder, Jürgen Pohl und Verena Hartmann stellen im Bundestag eine kleine Anfrage, in der sie einen Zusammenhang zwischen Migration, Verwandtenehen und Schwerbehinderung suggeriert. 18 Sozialverbände warnen daraufhin in einer Zeitungsanzeige vor der Partei und ihren Be_hindertenfeindlichen und rassistischen Argumentationen.

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-04/alternative-fuer-deutschland-kleine-anfrage-bundestag-behinderte-kritik

Juni 2018, Berlin

Der Neuköllner Vizebürgermeister Falko Liecke stellt die Hypothese auf, dass eine erhöhte Säuglingssterblichkeitsrate im Bezirk auf die Häufung von Verwandtenehen innerhalb muslimischer Communities und eine daraus folgende Vererbung genetischer Erkrankungen zurückgehe.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/saeuglingssterblichkeit-in-berlin-neukoelln-es-hilft-nicht-das-thema-zu-verschweigen/22807076.html

September 2018, Berlin

Der Neuköllner Vizebürgermeister Falko Liecke fordert im Zuge populistischer Argumentationen um sogenannte „Klan-Kriminalität“, dass der Staat „kriminellen arabischen Großfamilien die Kinder wegnehmen“ müsse.

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus181572470/Neukoellner-Stadtrat-Falko-Liecke-Staat-soll-Kinder-aus-Clanfamilien-nehmen.html

Juli 2019, Berlin

Im neunten Monat schwangere Frau verliert ihr Kind, weil sich die Security-Mitarbeiter der Geflüchtetenunterkunft in der sie lebt weigern, einen Krankenwagen zu rufen, obwohl sie unter starken Schmerzen und Blutungen leidet: „Sonntagfrüh um vier Uhr rufe man keinen Krankenwagen. Nicht einmal ein Taxi wollten die beiden Männer verständigen. Ein eigenes Handy hat das junge Ehepaar nicht, also müssen sie den Weg in das drei Kilometer entfernte Krankenhaus zu Fuß und mit der Straßenbahn zurücklegen.“

https://taz.de/Skandal-in-Berliner-Fluechtlingsheim/!5607916/?fbclid=IwAR2ptbHJnnUgfc54RWtQ0KOveW-CJIXuZ3eMr50DSeCerY5QF5fBG5EZu64

Habt ihr Interesse daran, bei einem Medienmonitoring mitzumachen, dass Formen reproduktiver Unterdrückung insbesondere gegenüber marginalisierten Communities dokumentiert? Schickt uns Artikel, Reportagen, Videobeiträge, die mit dem Thema zu tun haben, oder schreibt uns, wenn ihr Interesse habt, Medien gezielt nach solchen Inhalten zu scannen – wir können Mitstreiter_innen gebrauchen!